Die freistehende Badewanne

Das Bedürfnis nach Reinlichkeit und Sauberkeit in einem mit Wasser gefüllten Behälter hatte den Ursprung in Griechenland und Italien. Im 4. - 5. Jahrhundert v. Chr.hatte man (belegt durch Ausgrabungen in Olynth)  freistehende Wannen gefunden. Die Formen dieser freistehenden Wannen hatten eher ein Sitzbadcharakter. Das damalige freistehende Wannenmodell war in der Sitzposition hinten gerundet. Das Fußende der freistehenden Wanne verfügte über ein Abflussloch. In diesem freistehendem Wannenmodell war ein Übergießen mit kaltem Wasser die Regel. Das Material dieser freistehenden Badewanne war aus gebranntem Ton gefertigt. Dieser Ton wurde im Tagebau aus Norditalien geliefert. Eine freistehende “private Wanne” galt damals als absoluter Luxus. Die Körperreinigung erfolgte in einem Abstand von ca. 8 - 9. Tagen. Eine Herstellung der freistehenden Wanne aus Metall, wie Kupfer etc. war unbekannt. In den skandinavischen Ländern wurde eine freistehende Badewanne aus Holz angefertigt. Es war ein bottichartiger Behälter, der durch den damaligen Schiffbau möglich war. Ein großer Sprung ins Mittelalter. In sogenannten Badestuben standen freistehende Wannen aus Holz. Die ovale Form dieser freistehenden Wanne ließ zwei Personen zu, die sich gegenüber saßen. Eine Geschlechtertrennung wurde zwar offiziell angeordnet, in der Regel saßen sich aber gemischte Paare in der freistehenden Wanne gegenüber. In der Mitte der freistehenden Wannen befand sich eine schmale Ablage, auf die Speisen und Getränke gereicht wurden. Die Lauge für die Körperreinigung wurde gewonnen, indem man Wasser über Asche goss. Außer aus Holz wurden freistehende Wannen in dieser Zeit auch aus Kupfer und Messing gefertigt. Heiße Steine in der freistehenden Wanne dienten zur Erwärmung des Wassers. In den späteren Jahrhunderten wurden die öffentlichen Bäder teilweise geschlossen. Die Übertragung von Geschlechtskrankheiten in den freistehenden Wannen wurde zur großen Gefahr. Eine weitere kuriose Entwicklung nahm die freistehende Badewanne in den Jahren 1820-1830: In Frankreich wurden zu dieser Zeit freistehende Badekarren entwickelt. Man war mit diesem fahrbaren Modell mobil. Die freistehende Badewanne verfügte sogar über einen Ofen, der warmes Wasser produzierte. Bis zu tausend solcher fahrbaren freistehenden Wannen gab es. Gegen Bezahlung wurde der Badespaß angeboten. In dieser Epoche kamen freistehende Badewannen auf, die aus verzinktem Kupfer bestanden. Nur einer kleinen, betuchten Oberschicht war eine solche “Privatwanne” vorbehalten. Erst um 1900 wurden in den Bürgerhäusern separate Badezimmer eingerichtet. Ein Zeitsprung in die Nachkriegszeit veränderte das Baden in einer Wanne gravierend. Schaffung von Wohnraum bis hin zum sozialen Wohnungsbau waren vordergründig. Eine Stahlwanne wurde an die Wand gestellt und eingemauert. In den Jahren 1950 – 1980 wurde ein rechteckiges Wannenmodell in den Maßen 170 x 75 cm bevorzugt. Gusswannen und freistehende Wannen wurden durch diese Entwicklung ersetzt. Schöne, freistehende Gussbadewannen fielen diesem Zeittrend zum Opfer. Neue Materialen aus Kunststoff kamen auf den Markt. Aus Sanicrylplatten in einer Materialstärke von 5 mm wurden jetzt alternativ Badewannen auf Rohlingformen tiefgezogen. Das Material erlebte gegenüber den Stahlwannen große Beliebtheit. Leicht zu transportieren, einfache Fertigung und teilweise unendliche Haltbarkeit. Keine Emaille und Rostschäden. Die Formenvielfalt wurde immer größer: Eckwannen, Ovalwannen, Seckseckwannen etc. kamen auf den Markt. Junge Architekten und Raumgestalter entdeckten in den vergangenen 10 Jahren ihre Liebe zu puristischen Bädern. Eine offene Gestaltungsform ließ das Design der 80er und 90er Jahre vergessen. Die freistehende Badewanne erlebte ein Comeback. Moderne Formen aus Acryl und Stahl belebten diesen Trend. Wannenfüße waren nun nicht mehr sichtbar. Aus einem ”Guss” ohne Nähte musste die freistehende Wanne sein. Moderne, bodenstehende Armaturen befüllten die freistehende Wanne mit Wasser. Parallel dazu pflegte man wieder den Landhausstil. Freistehende Gusswannen mit exotischen Löwenfüßen mit dem Vorbild aus ”Der Belle Epoque” hielten Einzug in das nostalgische Landhausbad. Stilecht mit einem Hang zur “Guten, alten Zeit”. Die Badplanung in Verbindung mit einer freistehenden Wanne muss sehr sorgfältig geplant werden. Hier unterscheidet sich der Sanierungsfall deutlich vom Neubau.

1. Badsanierung zugunsten einer freistehenden Wanne

Eine exakte Planung mit Ihrem Installateur ist notwendig. Der Einsatz einer freistehenden Wanne bedeutet, dass eine Befüllung mit Wasser sowie der Ablauf des Wassers völlig neu geplant werden müssen. Ist eine Fußbodenheizung im Bad vorhanden? Hier muss eine totale Entfernung vorgenommen werden, die eine Erneuerung des Badezimmerbodens nach sich zieht - eine aufwendige Angelegenheit. Ebenfalls ist zu prüfen, wie stark der Fußboden ist. Ein neues Wannenabflusssystem ist immerhin 5 cm im Durchmesser.

Praktische Durchführung: Abstemmen und Entfernung der alten Badewanne. Ausstemmen der Armatur. Sinnvoll ist jetzt eine Pappschablone der neuen Wanne. Diese legt man auf den neuen Standort im Badezimmerboden. Jetzt werden die neuen Punkte der wasserführenden Kupferleitungen (warm und kalt) festgelegt. Diese befinden sich entweder an der Seite oder am Fußende der freistehenden Badewanne. Der Abfluss muss ebenfalls neu unter die freistehende Wanne gelegt werden. Der alte Platz der ausgestemmten Wannenarmatur eignet sich am besten für den Anschluss der neuen Kupferleitungen. Hier muss ein Kanal in der Wand bis zum Fußboden eingestemmt werden. Dann werden im Fußboden entsprechende Stemmarbeiten notwendig, um die beiden Kupferleitungen und das Abwasserrohr unsichtbar zu verlegen. Die beiden Kupferleitungen enden an den neu fixierten Punkten vor der freistehenden Badewanne .Nicht zu dicht und auch nicht zu weit muss der Punkt gewählt sein, damit das Wasser optimal in die neue,freistehende Wanne fließt. Es eignet sich optimal eine Standarmatur, die zwei verchromte Rundrohre besitzt und sich an den beiden Enden gebogen in die Wanne neigt. An diesen Enden (Abstand berücksichtigen) wird eine entsprechende Aufputz Armatur angeschraubt. Optimal ist, wenn sich an einem der Standrohre eine Halterung für die Handbrause befindet. Nun kann von der Wanne aus, ohne aufzustehen, optimal die Armatur bedient werden. Unter der Wanne muss der Abfluss sorgfältig angeschlossen werden. Am besten vorher auf Dichtigkeit überprüfen. An den unter der freistehenden Wanne befindlichen Stellfüßen wird die freistehende Badewanne aufgestellt. Eine Wasserwaage ist sinnvoll, um diese auf die freistehende Wanne zu legen.

2. Neubau eines Bades mit freistehender Wanne

In Absprache mit dem Architekten sowie der Baufirma können hier schon im Rohbau Fehler vermieden werden. Hier sollten rechtzeitig das Wannenmodell sowie die Befüllung der Wanne besprochen werden. Eine optimale Planung vermeidet hier später aufwendige Umlegungen der wasserführenden Leitungen zur freistehenden Badewanne und dem Abfluss. Geben Sie Ihrem Architekten die Montagemasse des Herstellers. Hier ist klar zu ersehen, ob die freistehende Badewanne bereits eine eigene Armatur besitzt, die sich auf dem Wannenrand befindet. Eine entsprechende Verlegung der beiden Kupferleitungen unter die freistehende Wanne ist notwendig. Die Abflussrohre werden ebenfalls schon vor dem Estrich berücksichtigt. Der Abfluss der Duschanlage wird in der Regel aufgrund des gleichen Rohrdurchmessers mit der freistehenden Wanne zusammengelegt. Die freistehende Badewanne bedarf eines besonders hellen und freundlichen Platzes im Badezimmer. Sie ist Blickfang und ein Ort der Entspannung. Waschbecken, WC-Anlage sowie Dusche sollten die ovale oder eckige Form der freistehenden Wanne unterstützen.